Schmerzhafte Ejakulation und Co.
Aus der Reihe »Sexualstörungen in der Praxis« – Fachartikel, erstmals veröffentlicht in der Zeitschrift Der Hausarzt, mit freundlicher Genehmigung von www.medkomm.de.
Wenn der Höhepunkt wehtut
Ein Urologe aus Düren fragt nach Männern, die bei der Ejakulation Schmerzen spüren, ohne organischen Befund – psychosomatisch? Zwei Fälle aus meiner Praxis: Ein Mann Mitte 40 hatte die Schmerzen seit der Jugend bei zwei Dritteln aller Ergüsse, unabhängig von Partnerin und Praxis; ein anderer litt nur im ersten halben Jahr jeder neuen Beziehung.
Beide beschrieben sich als sensibel und harmoniebedürftig, wirkten im Gespräch jedoch misstrauisch und zurückhaltend. Die Ejakulationsblockade erwies sich als Fortsetzung dieses Misstrauens bis ins Erotische hinein. Als der zweite Mann lernte, seiner Partnerin bewusst mehr Vertrauen zu zeigen und mehr von sich mitzuteilen, wurden die Schmerzen seltener.
Viele Fragen – viele Antworten
Welche Probleme bringen Patienten am häufigsten mit?
Studien belegen: 20–30 % aller Frauen und Männer haben lang anhaltende, seelisch bedingte Sexualstörungen. Bei Männern dominieren vorzeitiger Samenerguss, Erektionsprobleme und Impotenz; allgemeiner Libidoverlust ist ein newer Trend. Bei Frauen überwiegt fehlende Lust auf körperliche Kontakte, gefolgt von Orgasmusproblemen und Vaginalschmerzen.
Woran erkenne ich als Arzt eine sexuelle Problematik?
Sie sollten Sexualität generell in jedes Anamnese-Gespräch aufnehmen – offen und allgemeinverständlich fragen. Viele Patienten sprechen sexuelle Probleme nie direkt, sondern äußerst subtil an.
Mit welchen Methoden arbeiten Sie?
Grundlage ist das Gespräch: erst analysierend und klärend, dann gedankliche und emotionale Prozesse anstoßend. Bevorzugt setze ich Rollenspiele, imaginative Übungen und körpertherapeutische Elemente ein; verhaltenstherapeutische Übungen helfen vor allem, wenn die Problematik noch nicht manifest ist.
Wie lange dauert Sexualtherapie?
Der Erfahrung nach: vorzeitiger Samenerguss drei bis sechs Monate, Lustlosigkeit etwa neun Monate, Erektionsstörungen und Orgasmusprobleme ein bis anderthalb Jahre (Sitzungen alle zwei Wochen à 45 Minuten). Die Erfolgsquote liegt dabei um 80 %.
Müssen immer beide Partner in Therapie?
Nein – grundsätzlich entscheidet das die Ursache der Störung. Der vorzeitige Samenerguss etwa ist ein Problem des Mannes und steht in keinem Verhältnis zur Partnerschaft. Führen jahrelange sexuelle Störungen aber zu erheblichen Paarkonflikten, ist die Arbeit mit beiden Voraussetzung für den Erfolg.
Wie lotse ich Patienten zum Sexualtherapeuten?
Eine Visitenkarte allein reicht selten – zu groß ist die Scham. Effektiver: den Patienten behutsam vorbereiten und in seiner Anwesenheit beim Therapeuten anrufen und den Hörer weitergeben.
Volker van den Boom, Aachen
Zuletzt aktualisiert: 08.10.2026 · Inhalt: Volker van den Boom
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